DAS LEID MIT DER LEITKULTUR

Auf der Fahrt zur Arbeit habe ich heute in mehreren (öffentlich-rechtlichen) Radioprogrammen ausschließlich kritische Stimmen zu Thomas de Maizières Leitkultur-Vorstoß vernommen, bis hin zur beißenden Satire. Man kann, darf und soll über einzelne Aspekte diskutieren, aber Menschen, die – wie es derzeit vielfach geschieht – jedwede Leitkultur-Forderung pauschal als Rechtspopulismus verunglimpfen, schaden diesem Land massiv. Denn, wer die Regeln des Zusammenlebens auf formaljuristische Formeln („unsere Leitkultur ist das Grundgesetz“) beschränkt, hat nicht verstanden, worum es geht.

Warum kommen und wollen so viele Menschen ausgerechnet zu uns? Wir sind weder ein direktes Nachbarland der Krisenregionen noch gibt es bei uns besonders schönes Wetter. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, kommen 99% der aktuellen Zuwanderer ja nicht, weil sie überall anderenorts an Leib und Leben bedroht wären, sondern weil wir viel zahlen und geben und wenig verlangen. Sagen wir es positiv: weil es uns gut geht. Und warum geht es uns gut? Weil wir die Aufklärung hatten, die unsere Forschung meilenweit nach vorne katapultiert hat; weil wir eine offene, säkulare Gesellschaft sind, in der jeder seinen individuellen Weg zu Glück antreten darf und letztendlich auch durch Leistung, Fleiß und Anstrengung – und dass wir uns ins offene Gesicht schauen. Wenn wir diese Kultur zur Disposition stellen, werden wir das für andere nicht mehr leisten können.

Alle erfolgreichen Einwanderungsländer haben eine klare Leitkultur, auch wenn sie das zuweilen anders nennen. Und diese Leitkultur ist so anziehend, dass Migranten ihretwegen ins Land kommen, und nicht wegen irgendwelcher Sozialleistungen. D.h. das Gros der Einwanderer, die in die USA kommen, wollen den „American Way of Life“ leben, sie wollen Amerikaner werden und werden dabei in keinster Weise alimentiert (Selbst Sprachkurse müssen von Migranten selbst bezahlt werden). Ich bezweifle, dass die meisten Migranten aus dem Nahen Osten wegen des „German Way of Life“ hier herkommen. Und die wenigen, die zu uns wegen unserer freiheitlichen Ideale kommen, sei es als verfolgte Christen, als Musliminnen oder Ex-Musliminnen, die eben kein Kopftuch tragen wollen oder als verfolgte Homosexuelle, haben in der Regel keinerlei Probleme mit einer deutschen und/oder mitteleuropäischen Leitkultur. Zu der zählt eben nicht Jägerzaun und Schnitzel, sondern eben auch die gelebte Gleichberechtigung von Frau und Mann und die vorurteilsfreie Akzeptanz homosexueller Lebensmodelle. Und wer mal eine Einbürgerungsfeier in den USA mitgemacht hat, weiß dass die große Mehrheit der Neubürger extrem stolz darauf ist, Amerikaner zu werden und viele jeden Morgen die Stars- & Stripes-Flagge im Vorgarten hissen. Wenn aber bei uns, selbst die, die schon lange hier sind, Probleme damit haben, stolz darauf zu sein in diesem Land zu leben, müssen wir uns nicht wundern, dass wir bereits mit uns selbst ein Leitkulturproblem haben. Idealerweise sollten wir das lösen, bevor wir weitere Menschenmassen zu uns einladen. Ich sage bewusst „einladen“, denn jeder Internet-Film in Form eines Asyl-Tutorials sowie jedes Migranten-Selfie mit Angela Merkel ist nichts anderes als eine riesige Einladung!

Übrigens ein Leistungsprinzip kann man nur glaubwürdig vermitteln, wenn man auch Leistung von denen fordert, die etwas leisten können. Sozialleistungen ohne Gegenleistung bewirken keinen Respekt vor dieser Gesellschaft und den erwarte ich von Menschen, die hierher kommen – genau wie ich bei meinen Jahren in verschiedenen Ländern den dortigen Kulturen Respekt gegenüber entgegen gebracht habe.

Bernd M. Samland

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.